Erlend Øye
Norwegische Sangeskühle X Sonnige Rhythmen
Geschrieben Von :
Events | München

LIVE IN MÜNCHEN

08. OKT 2014 IN MÜNCHEN

Ein eherne Regel der persönlichen und allgemeinen Geschichtsschreibung lautet: Was da gerade passiert ist – das versteht man erst in der Rückschau. Nun lautet eine zweite, dass man sich just deswegen vor allzu großen Worten hüten sollte. Aber die nun folgenden sind vielleicht mal erlaubt. Es geht ja auch „nur“ um Musik.

Wären große, allgemein geachtete Musikhelden im Internetzeitalter nicht so rar – Erlend Øye wäre einer.

Steile These? Okay. Aber dieser Norweger mit der auffällig unscheinbaren Nerd-Brille hat eine musikalische Generation mitgeprägt. Und sie hat es eben vielleicht noch nicht mal mitbekommen. Fakt aber ist: Øye hat mit seinem Kollegen Eirik Glambek Boe und den Kings of Convenience das „New Acoustic Movement“ losgetreten. Als lauter besser war, hat er die unverstärkte Akustikgitarre entstaubt. Später hat er als Wahl-Berliner den Indie in die elektronische Auflegerei eingeschleust. Und dann mit Whitest Boy Alives Indie-Funk noch die verstocktesten Jungs zum Tanzen gebracht. Jedes Ding: Ein Trend. Hut ab.

Nun schreiben wir das Jahr 2014; die Kings of Convenience machen Pause, Whitest Boy Alive ist aufgelöst und die Berliner Elektroszene darbt vor sich hin. Macht aber nichts. Erlend Øye hat ein neues Steckenpferd: Den Reggae.

Auf seinem neuen Album „Legao“ mischt er norwegische Sangeskühle mit sonnigen Rhythmen. Philosophische Beziehungsschau mit Feel-Good-Sounds. Das ist vermutlich eher ein überraschendes Klangexperiment als ein epochales musikalisches Werk. Aber wenn es um bleibende emotionale Eindrücke geht, fällt man am besten immer noch mit der Hintertür ins Haus. Und ein so spielerisch-leicht vorgetragener Kulturclash wird sich wieder Nachahmer finden.

Gerade weil Øye so locker, gern und virtuos mit Musik spielt (etwa: Die Mundposaune bei den Kings of Convenience, oder einst den Break mitten im Song bei Whitest Boy Alive), ist dieser nordische Ausflug unter Palmen sicher auch live einen Besuch wert.

Am 8. Oktober spielen der Held mit der Nerd-Brille und seine Band in München. Übrigens in der Alten Kongresshalle, die mit ihrer fein restaurierten 70ies-Vertäfelung mindestens so offensiv nerdig ist, wie der Protagonist des Abends. Sowas nennt man dann gerne mal: Pflicht-Termin.

Autor
Florian Naumann
Veröffentlicht am: 1. Oktober 2014 von: Florian Naumann
FLORIAN IS A WRITER AND MUSIC LOVER BASED IN MUNICH. HE WRITES FOR SUBSISTENCE AND THE DISCOVERIES. HE BELIEVES: IF THERE IS ONE THING FOR SURE, THEN THE FACT THAT ONE CAN FIND BEAUTIFUL LITTLE CORNERS ALL OVER MATM. AND IF NOT, HE CREATES THEM HIMSELF, HERE AND THERE.
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